Aufbruch und Ankunft im Odenwald

Wieviel Heimat braucht der Mensch im globalen Dorf?

Ob beim Bau der Pyramiden in Ägypten, die Akropolis in Athen, das Kolosseum in Rom oder die Chinesische Mauer - Steine gehören zu den ältesten und beständigsten Baumaterialien der Zivilisationsgeschichte. Die Ursprünge der Steinindustrie im Lautertal reichen bis in die Spätantike zurück, als röm­ische Steinhauer am Felsberg bei Reichenbach Rohblöcke abbauten und diese bis ins weit entfernte Trier transportierten. Die Bauwerke der Römer sind fast 2.000 Jahre alt und stehen noch immer. Die geübten Hände der Steinmetzen verwandelten ungezählte Felsbrocken zu Steinquadern und schufen so einen beachtlichen Teil unseres kulturellen Erbes.

Der Erhalt dieser steinernen Kulturgüter erfordert auch den Erhalt historischer Kenntnisse bei der Natursteinbearbeitung einschliesslich deren Lagerstätten, um Bauwerke dauerhaft erhal­ten zu können. In Deutschland ist die Zahl der aktiv betriebenen Steinbrüche in den letzten Jahrzehnten drastisch zurückgegangen. Auch in Lautertal hat die örtliche Natur­stein­industrie an Bedeutung verloren und sich weitgehend auf den Handel mit Natur­stein­produk­ten aus Europa und Übersee verlagert.

Steinmetz

Kulturgüter erhalten

Ein vielseitiges Handwerk mit Tradition

Neben dem Handel liefern die verbliebenen Steinbetriebe Halbfertigprodukte für den Gebäude- oder Straßenbau, fertigen Grabsteine, Fassadenteile, Skulpturen, Plastiken, Fußböden, Trep­pen und Arbeitsplatten für Küchen. Um Restaurierungsarbeiten sachgerecht durchführen zu können, benötigen Steinmetzen Kenntnisse in Kunstgeschichte, Ornamentik und Heraldik so­wie über verschiedene Baustile. Bei historischen Kunst- und Bauwerken arbeiten sie mitunter mit Werkzeugen, die in der jeweiligen Epoche üblich waren.

Ohlyturm

Das Arbeitsprinzip ist seit Jahrhunderten unverändert geblieben: Das Werkstück wird durch Kanten- und Oberflächenbearbeitung in die gewünschte Form gebracht. Die Werkzeuge haben jedoch eine deutliche Verbesserung erfahren. Während in der Antike noch Schlag für Schlag mit dem Hammer nötig war, erleichtern heute Pressluftwerkzeuge die Arbeit. Trotzdem muss der Steinmetz die Arbeit mit Hammer und Meißel immernoch beherrschen.